Reformrede

Kommentar von Josua Stiegler


Gemeinsam stark: Wie wir unsere Branche durch stürmische Zeiten steuern

Diesen News-Beitrag gibt es auch als Audio-Version. Jetzt reinhören.

 

Liebe Fahrschulunternehmerinnen und Fahrschulunternehmer,

Ich glaube, dass ich für viel von Ihnen spreche, wenn ich sage: Es gibt ein Thema, das gerade alles andere überlagert. Das Arbeitspapier zur Fahrschulausbildung.

Und ich will gar nicht um den heißen Brei herumreden: Viele der darin enthaltenen Vorschläge haben auch uns – gelinde gesagt – befremdet.

Die vollständige Abschaffung des Präsenzunterrichts. Die Reduktion der Sonderfahrten auf drei. Die Verkürzung der praktischen Prüfung auf das europäische Minimum. Die Streichung der Lernstandskontrollen. Und obendrauf die Laienausbildung.

Wenn man das liest, fragt man sich unweigerlich: Hat hier jemand mit Praktikerinnen und Praktikern gesprochen? Hat jemand gefragt, was in den Fahrschulen dieses Landes tatsächlich jeden Tag passiert – in Ihren Fahrschulen?

Was das für Ihre Betriebe bedeutet – ganz konkret

Ich weiß, was Sie nachts wach hält. Und es ist nicht nur die Sorge um die Verkehrssicherheit – so wichtig sie ist. Es ist die existenzielle Frage: Was passiert mit meinem Betrieb, wenn der Theorieunterricht abgeschafft wird?

Wenn kein Fahrschüler vor der theoretischen Prüfung mehr in Ihre Fahrschule kommen muss, dann verlieren Sie nicht einfach nur den Theorieunterricht. Dann bricht ein ganzes Erlösmodell weg – Deckungsbeiträge, die Ihre Betriebe tragen. Ohne diese Einnahmen steht die wirtschaftliche Basis vieler Fahrschulen in Frage. Das ist kein abstraktes Szenario – das ist die logische Konsequenz dessen, was in diesem Arbeitspapier steht.

Ich sage Ihnen ganz klar: Wir teilen Ihre Sorgen. Mehr noch – wir teilen Ihre Empörung. Denn diese Vorschläge sind in weiten Teilen nicht nur kontraproduktiv für Ihre Betriebe, sondern sie gefährden das, wofür Sie jeden einzelnen Tag arbeiten: dass junge Menschen sicher auf unsere Straßen kommen.

Was wir dagegen tun: Fakten statt Schnellschüsse

Deshalb haben wir gemeinsam mit der MOVING in kürzester Zeit eine fundierte Stellungnahme erarbeitet – gestützt auf die Auswertung von über 250.000 Führerscheinausbildungen und die aktuelle wissenschaftliche Evidenz. Und die Kernbotschaft dieser Stellungnahme lautet: Ja, der Führerschein kann bezahlbarer werden. Aber nicht, indem man Ausbildungsstandards absenkt, sondern indem man die Ausbildung intelligenter strukturiert. Unsere Analyse zeigt ein realistisches Einsparpotenzial von über 900 Euro pro Fahrausbildung – ohne einen einzigen Sicherheitsstandard zu opfern.

Wir kämpfen auf allen Ebenen dafür, dass diese Reform ihren Namen auch verdient. In Berlin, in den Ländern und in der Öffentlichkeit. Wir lassen nicht zu, dass eine Reform, die als Entlastung gedacht war, zur Gefahr für unsere Branche und die Sicherheit auf unseren Straßen wird.

 

Wie stelle ich meine Fahrschule um? 

Und damit komme ich zu einem Punkt, der mir persönlich am Herzen liegt. Denn neben aller politischen Arbeit stellt sich für jede Fahrschulunternehmerin und jeden Fahrschulunternehmer die entscheidende Frage: Wie stelle ich meinen Betrieb auf – egal wie die Reform am Ende aussieht?

Hier versichere ich Ihnen: Der Verlag Heinrich Vogel steht an Ihrer Seite – nicht erst seit diesem Arbeitspapier, und nicht nur bis die Debatte vorüber ist. Wir entwickeln schon heute Geschäftsmodelle und Konzepte, die Ihre Betriebe auch unter veränderten Rahmenbedingungen zukunftssicher machen – mit neuen Erlösquellen und starken Deckungsbeiträgen pro Schüler.

Eins meiner Lieblingsbeispiele sind Simulatoren. Sie sind nicht nur ein didaktisches Werkzeug und ideale Vorbereitung auf die Fahrpraxis – sie sind ein echter betriebswirtschaftlicher Hebel. Ein Simulator läuft weitgehend autonom, reduziert Ihren Personaleinsatz für Grundausbildungseinheiten und senkt gleichzeitig Ihre Fuhrparkkosten. Weniger Fahrzeuge, weniger Versicherung, weniger Sprit, weniger Wartung. Das ist echte Kostenreduktion und neues Erlöspotenzial – nicht auf dem Papier eines Ministeriums, sondern in Ihrer Bilanz.

Was uns die Erfahrung aus Frankreich lehrt

Und ich will Ihnen noch etwas mitgeben, das mich persönlich zuversichtlich stimmt – gerade in diesen unruhigen Zeiten. Über unseren Schwesterverlag in Frankreich haben wir unmittelbare Erfahrung mit genau den Veränderungen, die hier in Deutschland nun diskutiert werden. In Frankreich sind wesentliche dieser Maßnahmen bereits seit mehreren Jahren in Kraft.

Und was ist passiert? Die Fahrschulen sind nicht verschwunden. Die Schülerinnen und Schüler, die Eltern – sie setzen nach wie vor auf professionelle Fahrausbildung. Weil Fahren lernen eben keine Sache ist, die man allein vor einem Bildschirm erledigt. Die Fahrschulen in Frankreich, die sich professionell aufgestellt haben, die auf Qualität und moderne Technologie gesetzt haben, sind heute erfolgreich – teilweise erfolgreicher als vorher.

Dieses Wissen, diese Erfahrung fließt direkt in unsere Konzepte und Produkte für den deutschen Markt ein. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen – und Sie müssen das Rad nicht neu erfinden.

Was vor uns liegt

Liebe Fahrschulunternehmerinnen und Fahrschulunternehmer, lassen Sie mich zum Schluss eines sagen: Ich weiß nicht, wie diese Reform am Ende aussehen wird. Vielleicht werden wir nicht alles verhindern können, was wir für falsch halten. Aber ich weiß eines mit absoluter Sicherheit: Wir werden zusammenstehen. Als Branche. Als Gemeinschaft von Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen – für die Sicherheit auf unseren Straßen und für die Zukunft junger Fahrerinnen und Fahrer.

Das ist eine Aufgabe, auf die Sie zurecht stolz sein können. Und es ist eine Aufgabe, die kein Arbeitspapier der Welt überflüssig machen wird.

Gemeinsam werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Ihr Josua Stiegler
Verlagsleiter Verlag Heinrich Vogel

Machen Sie mit! 


Jetzt ist die Zeit, zusammenzuhalten

Die geplante BMV-Reform der Fahrschulausbildung ist ein Wendepunkt für die gesamte Branche: Deshalb hat MOVING International Roadsafety Association e. V. die Allianz für professionelle Fahrausbildung und Verkehrssicherheit gegründet: ein gemeinsames Sprachrohr, das den BMV-Reformprozess mit klaren Forderungen, fachlicher Argumentation und einer starken Stimme begleitet.

Schließen Sie sich der Allianz an und werden Sie Unterstützer:in. Die Anmeldung erfolgt über die Website von MOVING International Roadsafety Association e. V.

Weiße Checkliste. Frau mit Smartphone im Hintergrund
© tanoy1412/adobe.stock.com

Erste Antworten auf die Reform


Der 10-Punkte-Plan für Fahrschulen

Wir entwickeln schon heute Geschäftsmodelle und Konzepte, die Ihre Betriebe auch unter veränderten Rahmenbedingungen zukunftssicher machen – mit neuen Erlösquellen und starken Deckungsbeiträgen pro Schüler. Schauen Sie sich den 10-Punkte-Plan und entscheiden, was für Ihre Fahrschule jetzt sinnvoll ist. 

Junge Frau sitzt mit Mann im Auto
© AntonioDiaz / stock.adobe.com

gemeinsame Stellungnahme


Eine günstige und gleichzeitig sichere Fahrausbildung ist möglich! 

Wir unterstützen die Stellungnahme von MOVING Roadsafety Association e. V., die zeigt, wie die Fahrausbildung günstiger und gleichzeitig sicherer werden kann. Die Analyse identifiziert klare Reformhebel – von Blended Learning bis Simulatoreinsatz – und warnt vor riskanten Vorschlägen des aktuellen Arbeitspapiers. 

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